ETF-Sparpläne und Risiken im Ruhestand

Veröffentlicht
24.04.2026
Autor
Thomas Nierhaus
Thomas Nierhaus GN Finanzpartner Honorarberater

Der Zugang zum Kapitalmarkt war noch nie so einfach wie heute. ETF-Sparpläne lassen sich mit wenigen Klicks einrichten und ermöglichen vielen Menschen erstmals einen strukturierten Vermögensaufbau.

In einem aktuellen Fachbeitrag für Pfefferminzia haben wir diese Entwicklung sowie die veränderte Rolle der Beratung näher eingeordnet. Auch in unserer täglichen Beratung zeigt sich ein ähnliches Bild. Viele Mandanten aus ganz Deutschland kommen mit einem bestehenden ETF-Sparplan auf uns zu oder hegen die Überlegung, eine Investition in ETFs zu tätigen.

Und dennoch bleibt häufig eine gewisse Unsicherheit.

Reicht mein Investment aus, um meine Rentenlücke zu schließen. Und hält meine Strategie auch langfristig wirklich stand. Und vor allem: Was passiert eigentlich später, wenn aus dem Vermögensaufbau ein regelmäßiges Einkommen werden soll.

Genau an dieser Stelle beginnt eine Fragestellung, die in der Praxis oft unterschätzt wird und deren Auswirkungen sich häufig erst viele Jahre später zeigen.

 

1. ETF-Sparpläne und ihre vermeintliche Einfachheit

Soziale Medien, Online-Ratgeber und YouTube Videos haben in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass das Investieren in ETFs stark an Aufmerksamkeit gewonnen hat.

Auffällig ist dabei vor allem die vermeintliche Einfachheit, mit der ETF-Sparpläne häufig dargestellt werden. In vielen Fällen steht die Ansparphase im Mittelpunkt. Es wird gezeigt, wie unkompliziert der Einstieg ist und wie einfach sich Vermögen über regelmäßige Sparraten aufbauen lässt.

Dabei kann schnell der Eindruck entstehen, dass es einige wenige ETF-Strategien gibt, die für jeden Anleger gleichermaßen geeignet sind. Auf zahlreiche Fragestellungen wird jedoch kaum oder nur sehr oberflächlich eingegangen. Dazu zählen unter anderem:

  • Wie lange möchte oder kann ich mein Kapital überhaupt am Kapitalmarkt investieren?
  • Wie gehe ich mit zwischenzeitlichen Kursrückgängen um, die sich über Monate oder sogar Jahre erstrecken können?
  • Passt die gewählte Strategie wirklich zu meiner persönlichen Risikoneigung?
  • Habe ich einen klaren Plan, wie ich mein Vermögen im Ruhestand nutzen möchte?
  • Wie fügt sich der ETF-Sparplan in meine gesamte Vermögensstruktur ein?
  • Wie kann eine spätere Entnahme erfolgen und welche Risiken entstehen dabei?

Gerade der letzte Punkt wird in der Praxis häufig unterschätzt. In unserem Beitrag zum Thema Rendite Reihenfolge Risiko haben wir diesen Zusammenhang bereits näher erläutert.

Für viele Anleger erscheinen diese Fragen zunächst weniger relevant. Vor allem dann, wenn mit kleineren monatlichen Beträgen investiert wird und der Fokus auf den ersten Schritten und deren Umsetzung am Kapitalmarkt liegt.

Mit zunehmender Vermögenshöhe verändert sich diese Perspektive jedoch. Höhere Anlagebeträge führen häufig dazu, dass auch die eigene Wahrnehmung von Risiko eine andere wird. Nicht zuletzt deshalb, weil die absoluten Schwankungen deutlich stärker ins Gewicht fallen.

 

2. Vom Vermögensaufbau zur Entnahmestrategie

Besonders relevant werden die obigen Fragestellungen für Anleger, die ihren Ruhestand planen möchten, bereits kurz davorstehen oder bereits größere Vermögen aufgebaut haben.

Gerade bei dieser Personengruppe wird deutlich, dass in dieser Phase nicht mehr das Erzielen möglichst hoher Renditen im Fokus steht, sondern die sinnvolle Nutzung des vorhandenen Vermögens. Aus dem angesparten Kapital soll ein regelmäßiges Einkommen entstehen, das über viele Jahre hinweg zur Verfügung steht.

Genau hier zeigt sich ein wesentlicher Unterschied.

Während der Vermögensaufbau in vielen Fällen vergleichsweise einfach strukturiert werden kann, was auch die zahlreichen Informationen in sozialen Medien verdeutlichen, ist die Phase der Entnahme deutlich komplexer. Die Kombination aus Kapitalmarktschwankungen und laufenden Entnahmen führt dazu, dass sich die Anforderungen an die Anlagestrategie verändern.

Aspekte, die in der Ansparphase eine untergeordnete Rolle gespielt haben, gewinnen nun an Bedeutung. Dazu zählen unter anderem:

  • Welche steuerlichen Aspekte sind in der Entnahmephase zu berücksichtigen?
  • Kann ich mein Depot sinnvoll anpassen oder umstrukturieren?
  • Kann mein Vermögen weiterhin vollständig in Aktien oder ETFs investiert bleiben oder ist das Risiko größerer Kursrückgänge zu hoch?
  • Wie viel kann ich regelmäßig entnehmen, sodass mein Kapital auch bis zum 85., 90. oder 95. Lebensjahr ausreicht?
  • Wie berücksichtige ich bei meiner Entnahmestrategie die Inflation?

 

3. Risiken entstehen nicht erst im Ruhestand

Bereits in der Ansparphase können größere investierte Summen sowie zwischenzeitliche Kursrückgänge dazu führen, dass Anleger von ihrer ursprünglichen Strategie abweichen. Verhaltensmuster und emotionale Entscheidungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Personen, die zuvor noch keine derartigen Kursrückgänge erlebt haben und sich nicht mit ihrer eigenen Risikoneigung auseinandergesetzt haben, können in solchen Phasen teure Fehler begehen.

Auch in den Jahren vor dem Ruhestand gewinnt die Struktur des Vermögens zunehmend an Bedeutung. Fragen zur Risikoneigung, zur möglichen Umschichtung aus schwankungsreicheren Anlageklassen in stabilere Anlageklassen rücken stärker in den Fokus.

Viele Personen möchten vor dem Rentenbeginn ihr Vermögen eher in einem sicheren Rahmen wissen und Risiken reduzieren. Deutlich wird dabei, dass auch hier häufig keine ausgereifte Strategie vorliegt und Entscheidungen teilweise dem Zufall überlassen werden.

Die eigentliche Herausforderung zeigt sich jedoch insbesondere in der Phase, in der aus dem aufgebauten Vermögen regelmäßige Entnahmen erfolgen, also in der Ruhestandsphase. Das grundlegende Problem liegt dabei nicht in ETFs selbst, sondern an anderer Stelle.

Treffen schwächere Marktphasen auf eine Phase, in der gleichzeitig Kapital entnommen wird, kann dies dazu führen, dass sich das Vermögen deutlich langsamer erholt oder dauerhaft auf einem niedrigeren Niveau verbleibt. Im Extremfall kann dies dazu führen, dass Entnahmen reduziert werden müssen oder das Kapital deutlich schneller aufgebraucht wird und in späteren Jahren nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht. Hat man in einer derartigen Situation keinen Ruhestandsplan oder keinen begleitenden Berater an seiner Seite, der diese Phase einordnet und als rationaler Sparringspartner dient, kann dies dazu führen, dass der Ruhestand von Sorgen und schlaflosen Nächten geprägt ist.

Hier sollte man sich die Frage stellen, wie man sich in einer solchen Phase und Situation fühlen würde. In unserem Artikel „Depot eines 70 Jährigen“ haben wir dargestellt, welche Rolle die Psyche spielt und wie belastend eine Ruhestandsphase sein kann, wenn keine klare Strategie und Planung vorhanden ist.

 

4. Bedeutung für die Ruhestandsplanung

In unserem Fachbeitrag für Pfefferminzia haben wir bereits aufgezeigt, dass der einfache Zugang zum Kapitalmarkt und die zunehmende Verbreitung von ETF-Sparplänen die Rolle der Beratung spürbar verändern.

Gerade weil viele Anleger heute eigenständig investieren, entsteht häufig der Eindruck, dass mit einer einmal gewählten Struktur bereits eine langfristig tragfähige Lösung geschaffen wurde. Die zuvor beschriebenen Zusammenhänge zeigen jedoch, dass diese Sichtweise zu kurz greift.

Insbesondere in der Ruhestandsplanung wird deutlich, dass die reine Betrachtung des Vermögensaufbaus nicht ausreicht.

Einen zentralen Punkt, den wir recht häufig sehen und der in der Ruhestandsplanung Anwendung findet, ist folgender: In vielen Darstellungen steht die durchschnittliche Rendite im Fokus. Beispielsweise wird mit 3 % oder 4 % linearer Wertentwicklung gerechnet.

Kapitalmärkte verlaufen jedoch nicht gleichmäßig. Schwankungen, unterschiedliche Marktphasen und deren zeitliche Abfolge führen dazu, dass sich Portfolios in der Entnahmephase deutlich anders entwickeln können als ursprünglich angenommen.

Gerade dieser Aspekt wird in vielen vereinfachten Modellen kaum berücksichtigt.

Für Anleger bedeutet das, dass nicht nur die Höhe des Vermögens entscheidend ist, sondern auch die Struktur, die Risikoverteilung sowie die Art und Weise, wie Entnahmen erfolgen.

Die Frage, wie ein Vermögen aufgebaut wird, ist daher nur ein Teil der Gesamtbetrachtung.

Die entscheidende Frage ist vielmehr, wie dieses Vermögen später genutzt werden kann, ohne dass die langfristige Stabilität gefährdet wird.

 

5. Fazit

Die zunehmende Verbreitung von ETF-Sparplänen und der einfache Zugang zum Kapitalmarkt sind grundsätzlich eine positive Entwicklung. Immer mehr Menschen setzen sich eigenständig mit ihrer Geldanlage und ihrer Altersvorsorge auseinander.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass viele Darstellungen in der Praxis zu kurz greifen. Der Fokus liegt häufig auf dem Vermögensaufbau, während zentrale Fragestellungen zur späteren Nutzung des Kapitals nur unzureichend berücksichtigt werden.

Wie wir bereits in unserem Fachbeitrag für Pfefferminzia eingeordnet haben, verändert sich damit auch die Rolle der Beratung. Nicht der Zugang zum Produkt steht im Vordergrund, sondern die strukturierte Einordnung und die Entwicklung einer langfristigen Gesamtstrategie.

Aus unserer Sicht benötigen Anleger daher mehr als nur eine einzelne Lösung oder eine Empfehlung der „besten ETF-Strategie“.

Entscheidend ist ein übergeordnetes Finanzkonzept, das sowohl den Vermögensaufbau als auch die spätere Entnahmephase berücksichtigt. Gerade im Ruhestand zeigt sich, dass die Nutzung des Vermögens mindestens ebenso anspruchsvoll ist wie dessen Aufbau.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der in der Praxis häufig unterschätzt wird. Verlaufen Kapitalmärkte über mehrere Monate oder sogar Jahre schwächer oder seitwärts, besteht die Gefahr, dass Anleger ohne klare Strategie von ihrem ursprünglichen Plan abweichen. Psychologische Faktoren und Verhaltensmuster können in solchen Phasen dazu führen, dass Entscheidungen getroffen werden, die langfristig nachteilig sind.

Wenn du eine Einordnung aus unserer Honorarberater Perspektive wünschst, melde dich gerne über unser Kontaktformular oder schreibe uns eine Mail an info@gn-finanzpartner.de und vereinbare ein kostenfreies Erstgespräch.

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Thomas Nierhaus
Thomas Nierhaus

Thomas ist spezialisiert auf unabhängige Vermögensberatung auf Honorarbasis. Er strukturiert das Investieren von Erbschaften, Unternehmensverkäufen und größeren Privatvermögen so, dass alles zu den persönlichen Zielen und dem individuellen Risikoprofil passt. Durch eine langfristige Begleitung auf Augenhöhe hilft er dabei, Vermögen stetig weiterzuentwickeln und an neue Lebenssituationen anzupassen.

Inhaltsverzeichnis
Risiken von ETF-Sparplänen im Ruhestand

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