
Wer sich fragt, welche Fonds oder ETFs ins eigene Depot kommen sollen, geht meist auf die gleiche Weise vor. Man wirft einen Blick auf die Wertentwicklung der letzten drei, fünf oder zehn Jahre und wählt den Fonds, der am besten abgeschnitten hat. Das wirkt auf den ersten Blick vernünftig, denn eine starke Performance in der Vergangenheit vermittelt Sicherheit und die Idee, dass sich diese Wertentwicklung auch in Zukunft fortsetzen könnte.
Genau hier beginnt jedoch ein Denkfehler, der viele Anleger Geld und Nerven kosten kann. Denn die Vergangenheit eines Fonds sagt erstaunlich wenig über seine Zukunft aus.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was die Kapitalmarktforschung seit Jahrzehnten zeigt, warum aktive Fonds ihre Benchmark langfristig nur selten schlagen und warum am Ende ohnehin nicht das einzelne Produkt über den Anlageerfolg entscheidet, sondern etwas ganz anderes.
1. Der Blick in die Vergangenheit und der falsche Rückschluss
Wer schon einmal bei einer Bank oder einem Berater zur Geldanlage gesessen hat, kennt die Situation vermutlich. Auf dem Tisch oder dem Bildschirm erscheinen ansprechende Charts und Grafiken, die zeigen, wie stark sich ein bestimmter Fonds in den letzten Jahren entwickelt hat. Dabei werden meistens die Zeiträume betrachtet, in denen die Verlaufskurve des Fonds steil nach oben steigt. Oftmals ist der gezeigte Zeitraum jedoch vom Berater bewusst gewählt. Ein anderer Ausschnitt, ein paar Jahre früher oder später, würde häufig ein ganz anderes Bild ergeben.
Für dich als Anleger ist diese Form der Vergangenheitsberatung, oder vielmehr der Blick zurück auf die Performance anhand schöner Charts, oft ein schlechter Ratgeber.
Sie beantwortet nämlich nur die Frage, was in der Vergangenheit gut lief, gibt aber keinerlei Indikation darüber, wie sich der Fonds in der Zukunft entwickelt.
Genau an diesem Punkt lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und die Sache nüchtern zu betrachten. Denn die Forschung liefert ein erstaunlich klares Bild davon, wie gut aktiv verwaltete Fonds wirklich abschneiden, und macht deutlich, in welchen Fällen die vergangene Performance als Indikator für die zukünftige taugt und in welchen nicht.
2. Warum aktive Fonds ihre Benchmark langfristig fast nie schlagen
Um zu beurteilen, ob ein aktiv verwalteter Fonds wirklich gute Arbeit leistet, braucht es einen fairen Vergleichsmaßstab. Genau das ist die Benchmark. Man kann sich eine Benchmark wie die Messlatte für einen Fonds vorstellen, an dem sich die Leistung des Fonds ablesen lässt. In aller Regel ist diese Messlatte ein Index, also ein Korb aus vielen Wertpapieren, der einen ganzen Markt abbildet. Ein bekanntes Beispiel ist der MSCI World, der die Entwicklung tausender Aktien aus den Industrieländern zusammenfasst, oder der S&P 500, der die 500 größten US-Unternehmen abbildet.
Hierzu ein einfaches Beispiel: Wenn ein Fondsmanager für globale Aktien zuständig ist, dann ist seine Benchmark zum Beispiel der MSCI World. Seine Aufgabe ist es, mehr aus dem Geld zu machen als dieser Index. Schafft er das nicht, hätte der Anleger den Index auch einfach direkt und deutlich günstiger über einen ETF kaufen können. Ein aktiver Fonds rechtfertigt seine höheren Kosten also nur dann, wenn er seine Benchmark dauerhaft übertrifft.
Genau das gelingt allerdings überraschend selten.
Die wohl bekannteste Untersuchung dazu ist die SPIVA-Studie von S&P Dow Jones Indices, die seit Jahren weltweit vergleicht, wie aktive Fonds gegenüber ihrer Benchmark abschneiden. Die Ergebnisse für Europa sind eindeutig. Über einen Zeitraum von zehn Jahren schneiden je nach Kategorie rund 94 bis 98 % der aktiv verwalteten Aktienfonds schlechter ab als ihr Vergleichsindex. Bei global anlegenden Fonds in Euro lag dieser Anteil zuletzt sogar bei über 98 %.
Besonders aufschlussreich ist ein wiederkehrendes Muster. Je länger der betrachtete Zeitraum, desto größer der Anteil der Fonds, die schlechter abschneiden. Über ein einzelnes Jahr gelingt es manchen Fonds durchaus, deutlich über ihrer Benchmark zu liegen. Über zehn Jahre schafft es jedoch nur ein verschwindend kleiner Teil.
Doch woran liegt das? Für die schwache Bilanz aktiver Fonds sind im Wesentlichen drei Faktoren verantwortlich:
- Kostenstruktur: Aktives Management verursacht laufende Gebühren für Research, Verwaltung und Handel. Diese Kosten fallen unabhängig vom Anlageerfolg an und mindern die Rendite Jahr für Jahr.
- Effizienz der Märkte: In den Kursen ist das Wissen einer Vielzahl professioneller Marktteilnehmer bereits eingepreist. Einen dauerhaften Informationsvorsprung zu erzielen, gelingt daher nur den wenigsten.
- Einfluss des Zufalls: Eine überdurchschnittliche Wertentwicklung in einem einzelnen Jahr beruht häufig auf günstigen Umständen und lässt sich entsprechend selten dauerhaft wiederholen.
Für dich als Anleger ergibt sich daraus eine unbequeme, aber wichtige Erkenntnis. Wer in einen aktiven Fonds investiert, trägt verlässlich höhere Kosten für die Aussicht, den Markt zu übertreffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies über einen langen Zeitraum tatsächlich gelingt, ist jedoch gering.
3. Selbst die wenigen Gewinner bleiben lange an der Spitze
Nun könnte man einwenden, dass es ja trotzdem einige Fonds gibt, die ihre Benchmark schlagen. Das stimmt. Die entscheidende Frage ist aber, ob ein Fonds das dauerhaft schafft, denn nur dann hätte man als Anleger wirklich einen Mehrwert. Genau das hat S&P Dow Jones Indices in einer weiteren Untersuchung geprüft, der sogenannten Persistence Scorecard. Sie schaut sich an, ob Fonds, die einmal zur Spitze gehörten, dort auch bleiben.
Auch hier ist das Ergebnis eher ernüchternd. Von den europäischen Aktienfonds, die Ende 2018 im obersten Viertel lagen, schaffte es in fünf von sechs untersuchten Kategorien kein einziger, in jedem der folgenden vier Jahre durchgehend an der Spitze zu bleiben.
Für dich als Anleger heißt das, selbst wer einen aktuellen Spitzenfonds auswählt, hat keine Gewähr, dass dieser Fonds auch in den nächsten Jahren vorne liegt.
Gute Performance in der Vergangenheit ist eben kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Du bist dir nicht sicher, ob dein Depot in puncto Kosten und Struktur wirklich zu dir passt? In einem kostenfreien Erstgespräch schauen wir gemeinsam darauf und zeigen dir, worauf es ankommt. Schreibe uns dazu einfach Nachricht mit deinem Anliegen an info@gn-finanzpartner.de oder nutze unser Kontaktformular.
4. Warum nicht das Produkt entscheidet, sondern das Verhalten
Nun könnte man annehmen, dass man einfach einen kostengünstigen ETF nimmt und damit alles richtig macht. An dieser Stelle kommt jedoch ein Gedanke ins Spiel, der in den Überlegungen vieler privater Investoren zu kurz kommt. Selbst das beste und günstigste Produkt nützt wenig, wenn der Anleger es nicht richtig nutzt.
Tatsächlich ist nicht die Wahl des Fonds der größte Hebel für den Anlageerfolg, sondern das eigene Verhalten.
Der Grund liegt in der menschlichen Natur. Untersuchungen zum Anlegerverhalten zeigen seit Jahren dieselbe Tendenz. Der durchschnittliche Anleger erzielt spürbar weniger Rendite, als die Märkte eigentlich hergegeben hätten. Das liegt nicht primär an schlechten Finanzprodukten, sondern daran, dass emotionale Entscheidungen zur falschen Zeit Geld kosten. Der größte Hebel ist also nicht die Produktauswahl, sondern die Fähigkeit, einen Plan ruhig durchzuhalten. Genau das unterscheidet erfolgreiche Anleger von solchen, die ständig dem nächsten Trend hinterherlaufen.
5. Warum die Strategie wichtiger ist als das einzelne Produkt
Fassen wir kurz zusammen, welche Erkenntnisse wir bis hierhin gezogen haben. Aktive Fonds schlagen ihre Benchmark langfristig nur selten, weshalb es naheliegt, eher auf kostengünstige Alternativen wie ETFs und Indexfonds zu setzen. Doch auch daraus folgt aber noch keine Investmentstrategie, denn am Ende entscheidet zum Großteil das eigene Verhalten über den Erfolg der Geldanlage.
Ein günstiges Produkt ist also die bessere Ausgangsbasis, aber für sich genommen noch keine Strategie.
Damit stellt sich die eigentlich wichtige Frage. Wenn weder das Produkt noch die Vergangenheitsrendite den Ausschlag geben, was ist es dann?
Die Antwort lautet, es ist die Strategie.
Ein ETF oder ein Fonds ist dabei immer nur ein Werkzeug. Entscheidend ist, welche Ziele er verfolgt, wie lange er das Geld investiert lassen kann und wie viel Schwankung er aushält. Genau hier liegt das eigentliche Problem vieler Anleger. Die meisten besitzen zwar Finanzprodukte wie ETFs oder Fonds, haben sich aber nie Gedanken über eine individuelle und übergeordnete Strategie gemacht.
Sie haben nie klar festgelegt, welches Geld welchem Zweck dient, über welchen Zeitraum es angelegt bleiben soll und wie sie sich in einer Krise verhalten wollen. Fehlt dieser Plan, werden Entscheidungen vor allem in schwierigen Marktphasen aus dem Affekt getroffen. Und genau das führt zu den emotionalen Fehlern, die langfristig Rendite kosten. Eine gute Strategie beantwortet deshalb nicht die Frage, welcher Fonds gerade angesagt ist. Sie beantwortet, welche Aufgabe das Geld im eigenen Leben übernehmen soll, wie es dafür sinnvoll aufgeteilt wird und wie man auch in unruhigen Phasen Kurs hält. Das passende Produkt ergibt sich daraus fast von selbst. Es steht am Ende dieses Prozesses, nicht am Anfang.
Häufig schafft erst eine durchdachte Altersvorsorge- und Ruhestandsplanung die nötige Klarheit darüber, was einem wirklich wichtig ist, und beantwortet viele offene Fragen. Wenn dich dieses Thema interessiert und du mehr Klarheit bei deiner Altersvorsorge gewinnen möchtest, dann schreib uns gern eine Nachricht über unser Kontaktformular.
6. Wie wir als Honorarberater genau hier ansetzen
Bei der Beantwortung der Fragen nach der richtigen Investmentstrategie setzen wir als Honorarberater nach § 34h GewO an. Dabei profitierst du von unserer unabhängigen und auf dich zugeschnittenen Beratung, die direkt von dir vergütet wird und nicht über Provisionen von Banken und Fondsanbietern. So steht nicht ein bestimmter Fonds im Mittelpunkt, sondern eine Strategie, die wirklich zu dir passt und die du langfristig durchhältst.
Deshalb beginnt unsere Arbeit nicht mit der Frage, welches Produkt du kaufen sollst, sondern mit dir.
Wir schauen gemeinsam auf deine Ziele, deinen Zeithorizont, deine finanzielle Situation und darauf, wie viel Schwankung du wirklich aushältst. Erst wenn das geklärt ist, geht es um die konkrete Umsetzung. Bei der Umsetzung selbst setzen wir bewusst auf kostengünstige, breit gestreute Indexfonds und ETFs. Dabei begleiten dich auch in unruhigen Marktphasen und helfen dir, an deiner Strategie festzuhalten, anstatt aus dem Bauch heraus zu reagieren. Denn wie wir gesehen haben, sind es selten die Produkte, die über den Erfolg entscheiden, sondern das Verhalten.
Nicht ohne Grund gilt, dass Emotionen der größte Feind einer erfolgreichen Geldanlage sind. Mehr über dieses Vorgehen erfährst du auf unserer Seite zur Vermögensverwaltung.
7. Fazit
Die Vergangenheit eines Fonds zu betrachten und basierend darauf zu investieren ist ein verführerischer, aber schlechter Ratgeber. Dabei ist die Datenlage eindeutig. Aktive Fonds schlagen ihre Benchmark langfristig nur selten, und selbst die wenigen Gewinner bleiben kaum dauerhaft vorne. Schon das spricht dafür, eher auf kostengünstige Indexfonds und ETFs zu setzen.
Der vielleicht wichtigste Punkt ist aber der, dass der größte Hebel für deinen Anlageerfolg du selbst bist. Nicht das perfekte Produkt entscheidet, sondern ob du eine klare Strategie hast und ihr auch in unruhigen Phasen treu bleibst. Genau hier liegt der Wert einer unabhängigen und langfristigen Beratung und Begleitung. Es geht nicht darum, den nächsten Geheimtipp zu finden, sondern darum, eine Strategie zu entwickeln, die zu deinem Leben passt, und sie gemeinsam durchzuhalten.
Wenn du wissen möchtest, ob deine Geldanlage wirklich zu deinen Zielen passt, begleiten wir dich gern. In einem kostenfreien Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf deine Situation und zeigen dir, worauf es ankommt. Schreib uns einfach dein Anliegen über unser Kontaktformular oder per E-Mail an info@gn-finanzpartner.de. Wir freuen uns auf deine Nachricht.
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