
Wir durften kürzlich einen Gastbeitrag im Fachmagazin Pfefferminzia veröffentlichen. Ein Magazin, das seit vielen Jahren den fachlichen Diskurs in der Finanz- und Versicherungsbranche begleitet, prägt und das wir sehr schätzen.
In diesem Beitrag ging es um die Frage, welchen Mehrwert Finanzberatung für individuelle Kundenanliegen im Zusammenhang mit der Ruhestandsplanung bieten kann und welchen Wandel wir in diesem Bereich beobachten.
Mit diesem Blogbeitrag möchten wir den Gastartikel nicht wiederholen und keine Anleitung geben. Wir möchten ihn vielmehr einordnen und damit einen Einblick in unsere Denkweise und in die Anliegen unserer Kundinnen und Kunden geben. Als Ausdruck unserer Haltung und als Transparenz darüber, wie wir Beratung verstehen.
1. Warum Altersvorsorge- und Ruhestandsplanung neu gedacht werden müssen
Auch wir stellen fest, dass Finanzberatung heute unter anderen Voraussetzungen stattfindet als noch vor einigen Jahren.
Die Lebensläufe der Menschen verlaufen seltener geradlinig. Häufige Berufswechsel, Auslandsaufenthalte, Sabbaticals oder Kindererziehungszeiten führen dazu, dass finanzielle Entscheidungen mehrere Lebensbereiche gleichzeitig betreffen. Beruf, Familie, Vermögen und persönliche Freiheit lassen sich kaum noch getrennt voneinander betrachten.
Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Orientierung.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Fragen rund um Altersvorsorge und Ruhestand. Für viele unserer Kundinnen und Kunden ist dieses Thema zentral, weil es Sicherheit für einen Lebensabschnitt schaffen soll, der nicht mehr aktiv gestaltet, sondern frühzeitig geplant werden muss.
Der Wunsch, den eigenen Lebensstandard zu sichern, flexibel zu bleiben und finanzielle Entscheidungen rechtzeitig zu ordnen, spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Um das zu erreichen, reicht es heute nicht aus, einzelne Finanzprodukte oder Geldanlagen zu vermitteln. Entscheidend ist, wie gut finanzielle Entscheidungen strukturiert, aufeinander abgestimmt und langfristig gedacht sind.
Beratung bedeutet damit weniger die Lösung eines einzelnen Anliegens, sondern die Begleitung, Strukturierung und Planung über verschiedene Lebensphasen hinweg.
Diese Entwicklung verlangt einen Beratungsansatz, der über einzelne Produkte hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen nicht Lösungen von der Stange, sondern die individuelle Situation, die Ziele, Wünsche und Anliegen der Menschen.
Genau diese Beobachtung war Ausgangspunkt unseres Fachbeitrags und prägt auch unsere tägliche Arbeit.
2. Was das konkret für unsere Beratung bedeutet
Für uns bedeutet dieser Beratungsansatz, dass Entscheidungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihrem Gesamtzusammenhang.
Wir beginnen nicht mit einzelnen Produkten, sondern mit einer strukturierten Bestandsaufnahme. Welche Ziele bestehen, welche finanziellen Ressourcen vorhanden sind und welche Unsicherheiten berücksichtigt werden müssen.
Erst wenn diese Grundlagen transparent sind, lassen sich sinnvolle Entscheidungen treffen.
Gerade in der Ruhestandsplanung zeigt sich, wie wichtig dieser strukturierte Ansatz ist.
Was uns in Gesprächen immer wieder auffällt, besonders bei Menschen ab 50 Jahren, ist, dass nicht die nächste Renditechance oder ein kurzfristiger Anlagetipp im Mittelpunkt steht. Entscheidend sind vielmehr sehr persönliche Fragen.
- Kann ich meinen Lebensstandard im Ruhestand halten?
- Ist ein früherer Ausstieg vor 67 realistisch?
- Besteht die Möglichkeit, in Teilzeit weiterzuarbeiten?
- Kann ich meine Kinder oder Enkel später finanziell unterstützen?
Auf diese und ähnliche Fragen lässt sich keine fundierte Antwort geben, indem man isoliert ein Produkt empfiehlt. Sie verlangen einen strukturierten Blick auf die Gesamtsituation. Vermögen, Einkommen, steuerliche Effekte, zeitliche Horizonte und individuelle Ziele greifen hier ineinander.
Für uns bedeutet das, Beratung nicht vom Produkt her zu denken, sondern von der Fragestellung aus. Erst wenn Klarheit über Zusammenhänge besteht, lassen sich passende Lösungen ableiten.
Unabhängigkeit ist dabei kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für glaubwürdige Antworten. Genau deshalb arbeiten wir bei der Altersvorsorge- und Ruhestandsplanung honorarbasiert.
3. Warum Ruhestandsplanung mehr ist als Altersvorsorge
Die Altersvorsorge kann als Ansparphase verstanden werden, die häufig mit einzelnen Produkten verbunden ist. Es geht darum, regelmäßig Geld zurückzulegen, Verträge zu besparen und Vermögen aufzubauen.
In dieser Phase lassen sich Fehler oft noch korrigieren. Es bleibt Zeit, Entscheidungen anzupassen, Beiträge zu verändern oder zusätzliches Kapital aufzubauen.
Weniger präsent ist dagegen die Rentenphase. Ein Lebensabschnitt, in dem kein aktives Erwerbseinkommen mehr vorhanden ist und vorhandenes Vermögen über 25, 30 oder mehr Jahre ausreichen muss. In dieser Phase sind Fehlentscheidungen deutlich schwerer zu korrigieren, weil Zeit nicht mehr als Ausgleichsfaktor zur Verfügung steht.
Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen reiner Altersvorsorge und echter Ruhestandsplanung.
Ruhestandsplanung betrachtet nicht nur den Kapitalaufbau, sondern vor allem die Frage, wie Einkommen im Ruhestand strukturiert wird. Welche Mittel stehen dauerhaft zur Verfügung. Wie entwickeln sich Entnahmen über die Jahre. Welche Rolle spielen Inflation, steuerliche Belastungen und mögliche Versorgungslücken. Wie wirkt sich eine längere Lebenserwartung auf die Planung aus.
Einzelne Produkte können dabei Bausteine sein.
Sie beantworten jedoch nicht die zentrale Frage, ob das Gesamtkonzept langfristig tragfähig ist.
Ohne eine strukturierte Planung besteht das Risiko, dass Vermögenswerte nicht optimal aufeinander abgestimmt sind oder Entnahmen zu früh, zu hoch oder steuerlich ungünstig erfolgen.
Ruhestandsplanung bedeutet deshalb, die gesamte Zeitachse zu betrachten. Von der heutigen Situation über die Ansparphase bis hin zur Entnahmephase. Sie verbindet Vermögen, Einkommensströme, steuerliche Effekte und individuelle Lebensziele zu einem Gesamtbild.
Erst in diesem Zusammenhang wird sichtbar, ob eine Planung tatsächlich belastbar ist oder lediglich aus einzelnen Bausteinen besteht, bei denen im Rentenalter unklar ist, wie sie real genutzt werden können und ob sie dauerhaft ausreichen.
4. Information ist nicht Orientierung
Noch nie war der Zugang zu Finanzinformationen so einfach wie heute. Fachartikel, Podcasts, Vergleichsrechner oder Videos stehen jedem jederzeit zur Verfügung. Was uns dabei immer wieder auffällt, ist, dass viele Menschen dadurch zwar einen engeren Kontakt zu Finanzthemen haben und sich intensiver damit beschäftigen.
Was jedoch häufig fehlt, ist ein klarer Plan und ein strukturiertes Vorgehen.
Nur wenige stellen sich die grundlegende Frage, welche eigenen Ziele und Wünsche eigentlich erreicht werden sollen und welche Rolle finanzielle Entscheidungen dabei spielen.
„Etwas für die Altersvorsorge zu tun“ ist grundsätzlich sinnvoll. Doch ohne Klarheit über den gewünschten Lebensstandard, den Zeitpunkt des Übergangs in den Ruhestand oder die eigene Flexibilität bleibt vieles unscharf.
Gerade bei langfristigen Entscheidungen wie Altersvorsorge und Ruhestandsplanung entsteht Orientierung nicht durch einzelne Informationen oder Maßnahmen, sondern durch Planung und die bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen.
Aus unserer Sicht liegt genau hier der Mehrwert professioneller Beratung. Nicht in der Vermittlung einzelner Produkte, sondern in der strukturierten Begleitung und Planung.
Darin sehen wir auch eine Aufgabe für Beraterinnen und Berater. Weniger Produktlogik, mehr Transparenz und eine konsequente Ausrichtung an den konkreten Anliegen der Menschen können dazu beitragen, Vertrauen nachhaltig zu stärken.
Gelingt dies, wird Ruhestandsplanung nicht als Kostenfaktor wahrgenommen, sondern als Investition in Klarheit und langfristige Sicherheit. Honorarbasierten Varianten kommt dabei eine besondere Rolle zu, weil sie Unabhängigkeit ermöglichen und Interessenkonflikte reduzieren.
Genau dieser Anspruch stand im Mittelpunkt unseres Fachbeitrags und prägt auch unsere tägliche Arbeit.
5. Schlusswort
Mit unserem Artikel haben wir einen Einblick in unseren Beratungsalltag geben und gleichzeitig die Anliegen unserer Kundinnen und Kunden in den Mittelpunkt stellen können.
Altersvorsorge- und Ruhestandsplanung sind keine rein technischen Themen. Sie sind mit Erwartungen, Unsicherheiten und vielen offenen Fragen verbunden, selbst in einer Zeit, in der Informationen jederzeit verfügbar sind.
Eine Altersvorsorge- und Ruhestandsplanung, die nicht auf einen schnellen Produktabschluss ausgerichtet ist, sondern zunächst die Ziele und Wünsche klärt, könnte in den kommenden Jahren genau den Nerv der Menschen treffen, die vor dem Übergang in den Ruhestand stehen. Gleichzeitig bietet dieser Ansatz Beraterinnen und Beratern die Möglichkeit, sich klar von austauschbaren Lösungen abzugrenzen.
Im Mittelpunkt sollte dabei immer eines stehen: der konkrete Mehrwert für die Kundinnen und Kunden und die ernsthafte Beantwortung der Fragen, die sie im Hinblick auf ihren Ruhestand beschäftigen.
Wer unseren vollständigen Fachbeitrag lesen möchte, findet diesen hier verlinkt.
